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vermisste Hunde

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Vermisste Hunde – Der Verlust und seine Folgen

Das plötzliche Verschwinden eines besten Freundes ist bekanntermaßen der Albtraum eines jeden Liebhabers von Bello, Mieze & Co. Jeder, der einmal Tage, Wochen oder sogar Monate lang bei Wind und Wetter Aushänge und Handzettel verteilt, zahllose Vermisstenmeldungen in diversen Zeitungen und Internetportalen aufgegeben, Tierheime und städtische Ämter mit verzweifelten Anrufen genervt und sich bei endlosen Suchgängen heiser gerufen hat, weiß davon ein Lied zu singen. Fiffi überfahrende Autos, auf Tiger zielende Jäger, drohendes Gift in Rattenködern, die Gefangenschaft in Garagen oder Schuppen und Gerüchte über Tierfänger in der Umgebung geistern durch die Gedankengänge des ängstlichen Besitzers und quälen ihn bei Tag und Nacht. Häufig treten – beim Menschen wie auch bei anderen tierischen Hausgenossen – verschiedene psychische wie physische Probleme als Folge des Verlustes eines geliebten Mitbewohners auf. Sie reichen von generellem Unwohlsein bis hin zu Schlafstörungen und Depressionen.

 

Verlust akzeptieren, der erste Schritt zum Abschied nehmen

Was aber kann über den Verlust hinweghelfen? Grundsätzlich ist festzuhalten, dass es eine schnelle, schmerzfreie Loslösung nicht gibt. Angst und immer wieder aufflackernde Hoffnung, schließlich Akzeptanz, Trauer und Abschied brauchen ihre Zeit. Dies trifft vor allem auf diejenige Fälle zu, in denen der Verbleib des Tieres unbekannt bleibt. Schlimmstenfalls sehen sich die Halter in der Verantwortung, machen sich Vorwürfe, zerfleischen sich mit der Frage, „was wäre gewesen, wenn…“.
Bei Katzen wird davon ausgegangen, dass sie ein Jahr benötigen, um über den Tod ihres menschlichen oder tierischen Sozialpartners hinwegzukommen. Es gibt aber auch Tiere, die den Verlust nicht verkraften, ihre Lebenslust verlieren und sterben. Bei Menschen scheinen die Reaktionen unterschiedlich zu sein. Einige Tierfreunde suchen sich sofort einen neuen Hausgenossen, um sich über das Fehlen des alten hinwegzutrösten und die Leere im Haus zu füllen. Andere brauchen Jahre, um den Tod ihres besten Freundes

zu akzeptieren und schließlich zu betrauern. Aus Furcht vor einem erneuten Verlust lehnen sie eventuell jeglichen tierischen Ersatz ab. In einem solchen, sich selbst bestätigenden Kreislauf aus Schmerz und Angst bleiben diese Folgesymptome aber überaus lebendig. Sie lassen nicht zu, dass Lebensfreude und emotionale Wärme die alte Wunde heilen, dass der Betroffene von seinem vierbeinigen oder geflügelten Freund Abschied nehmen und mit dem Geschehen abschließen kann.

 

Hilflosigkeit und Betrugsversuche im Internet

Ein Blick in entsprechende Internetforen bestätigt, wie viele Menschen jahrelang mit dem Verlust ihres Lieblings emotional zu kämpfen haben. Wie groß die Verzweiflung sein kann, beweist die Existenz von Betrügern und Scharlatanen, die aus dem Leid der Tierhalter ihren finanziellen Nutzen ziehen.

Manche von ihnen durchforsten die Webseiten nach Vermisstenmeldungen und versuchen, Herrchen oder Frauchen mit Informationen zum angeblichen Aufenthaltsort des verschwundenen Tieres zu erpressen. Andere wiederum locken mit dem Angebot, das Tier mit Hilfe eines Fotos durch telepathische Kommunikation zu lokalisieren. Oder aber sie geben vor, eine Unterhaltung mit dem verstorbenen Tier zu ermöglichen, um zur Aufklärung des Unglücks und somit zum Seelenfrieden von Mensch und Tier beizutragen – alles natürlich gegen ein saftiges Honorar.

Die zunehmende Präsenz dieser sogenannten Tierflüsterer im Netz lässt darauf schließen, dass verzweifelte Tierhalter aus lauter Rat- und Hilflosigkeit auf diese Angebote eingehen. Denn Unterstützung von offiziellen Stellen gibt es nicht. Es existieren weder bundesweite Statistiken noch staatlich organisierte Hilfsangebote zur Lokalisierung verschwundener Tiere.

Nur einige wenige Tierschutzorganisationen bieten eine partielle, keineswegs flächendeckende Erfassung von vermissten und gefundenen Tieren an. Bei der Suche nach dem vermissten Hausgenossen wie bei der emotionalen Bewältigung seines Verlusts bleibt der Halter weitgehend auf sich gestellt. Zudem stößt er im Kontakt mit öffentlichen Ämtern häufig auf Unverständnis, handelt es sich doch „nur“ um ein Tier. Diese Erfahrung steht einem üblicherweise bevor, wenn man sich bei der Abfallwirtschaft bzw. Straßenmeistereien nach überfahrenen oder bei Jagdvereinen nach erschossenen Tieren erkundigt, zwei der häufigsten gewaltsamen Todesursachen von Bello und Mieze generell.

 

Die beste Medizin: Mitgefühl gegen Isolation und Depression

Das Gefühl der Isolation im Dunstkreis einer allgemeinen Gleichgültigkeit verstärkt das Schmerzempfinden, es fördert Depressionen, kann zu psychischen wie physischen Beeinträchtigungen führen. Abhilfe schafft der Kontakt mit anderen Betroffenen. Im Idealfall schlägt einem im Familien- und Freundeskreis, in der Nachbarschaft und im Stadtviertel eine Welle an Hilfsbereitschaft entgegen, die das heute häufig beschworene Szenario einer gefühlskalten Gesellschaft voller Egomanen verblassen lässt. Besorgte Nachbarn ebenso wie wildfremde Mitbürger können sich an der Suche beteiligen, Hinweise geben und Anteil nehmen. Ist dies nicht der Fall, stellt das Internet zahlreiche Kontaktmöglichkeiten mit Gleichgesinnten zur Verfügung. Tierhalter können in Internetforen Erfahrungen austauschen, ihr Leid teilen und sich somit gegenseitig stützen. Ein Mitfühlen und Verständnis für den schmerzlichen Verlust sind die beste Medizin für eine erfolgreiche Bewältigung des emotionalen Schocks.

 

Tiertherapie für die Rückkehr von Lebensfreude

Darüber hinaus gilt auch in diesem Fall, dass die Zeit Wunden heilt. Ein neuer pelziger, gefiederter oder sonstiger kleiner Freund kann diesem Prozess auf die Sprünge helfen. Untersuchungen beweisen den erfolgreichen Einsatz von Therapietieren bei psychischen Problemen und Depressionen. Bereits die Nähe eines Tieres beruhigt, mindert Stress, Angst und Schmerzempfinden. Ein Haustier spricht darüber hinaus das Verantwortungsgefühl seines Halters an, es verpflichtet und lenkt ihn im Alltag mit tausend Kleinigkeiten ab.

Besonders erfolgversprechend für die Linderung der Symptome scheint der Einsatz hilfsbedürftiger Tiere. Gerade in der täglichen Sorge etwa um junge oder kranke, auf intensive Betreuung angewiesene Hausgenossen tritt der eigene Schmerz in den Hintergrund. Das Gefühl von hilfloser Ohnmacht wird ersetzt durch Aktivität, die eigenen Handlungen werden als entscheidend und lebensrettend empfunden. Neben die Erfahrung von Verlust und Tod tritt das Erleben von Fürsorge, Rettung und Leben.

Mit dem neuen Mitbewohner können emotionale Wärme und Lebensfreude Einzug halten, die das Gefühl der Isolation durchbrechen und eine schrittweise Wundheilung ermöglichen. Er führt doch seinem Menschen tagtäglich vor Augen, dass es sich im Endeffekt doch eher lohnt, zu lieben und zu verlieren, als niemals zu lieben.